Reden - Dr. Volker Wissing, MdB

Rede zu TOP 3 Regierungserklärung zum G-20-Gipfel in Mexiko, 14. Juni 2012

..Rede vor dem Deutschen Bundestag
Herr Präsident!
Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Frau Kollegin Künast, was Sie uns mit dem Bild der „Zicke am Strick“ sagen wollten, weiß ich nicht.

(Renate Künast (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Gut, dass Sie es noch einmal wiederholen!)

Was ich aber weiß, ist, welchen Titel eine Ausgabe des Spiegels im Frühjahr 2010 hatte: „Grüne kämpfen gegen die Wunderwaffe Wachstum“. Dabei hat er sich auf ein Papier von Ihnen, Frau Künast, und von Herrn Trittin bezogen. Darin haben Sie Folgendes gesagt: „Wir halten den Abbau des Wachstumszwangs … für erforderlich“. Das war Ihre Politik. Damit lagen Sie zu 100 Prozent falsch.

(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)

Das haben Sie damals gesagt, und Sie haben damit den Eindruck geschaffen, eine schicke Truppe zu sein. Sie haben der Welt eingeredet, mit Wachstum müsse Schluss sein und es gebe mittlerweile einen ganz anderen Weg, wie man den Wohlstand in Europa in Zukunft sichern könne. Als der Bundeswirtschaftsminister im Frühjahr dieses Jahres an alle Vernünftigen in Europa appelliert hat: „Wir brauchen wieder Wachstum, um aus dieser Krise herauswachsen und gleichzeitig unseren Sozialstaat stabilisieren zu können“, da hat Herr Trittin in der ihm eigenen Art bescheiden gelächelt. Inzwischen haben Sie erkannt, dass in ganz Europa das Thema Wachstum als zentraler Bestandteil der Hoffnung erkannt worden ist.

(Manfred Zöllmer (SPD): Nur Sie haben es nicht erkannt!)

Sie fahren durch Europa auch die Sozialdemokraten und reden plötzlich von Wachstum, nachdem wir dieses Thema vorgegeben haben. (Lachen bei Abgeordneten der SPD) Nur weil Sie von grüner Seite sich jahrelang den Kopf darüber zerbrochen haben, wie man Wachstum am besten abbauen sollte, und nicht darüber, wie man Wachstum schaffen kann,

(Hubertus Heil (Peine) (SPD): Reden Sie doch nicht so einen Quatsch, Herr Wissing!)

fällt Ihnen heute nichts dazu ein, wie man ein Wachstumskonzept für Europa entwickeln kann. Als Herr Trittin letzte Woche gefragt worden ist, ob denn ein neues Wachstumskonzept mit neuen Schulden einhergehen solle, hat er geantwortet, das sei für ihn keine dogmatische Frage. Liebe Kolleginnen und Kollegen, für uns ist das eine Frage der Vernunft und des gesunden Menschenverstandes. Selbstverständlich können Wachstumsprogramme nicht durch neue Schulden in Europa finanziert werden.

(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)

Dass ein solcher Unsinn von den Grünen immer noch in der Öffentlichkeit vertreten wird, zeigt doch, dass sie sich in Wahrheit nicht dem Kern des Problems in Europa zugewandt haben.

(Manfred Zöllmer (SPD): Unsinn ist das richtige Stichwort für Ihre Rede!)

Auch die Sozialdemokraten müssen in dieser Frage Ehrlichkeit an den Tag legen. Sich hinzustellen und zu fordern, Europa dürfe nicht so viel sparen, aber gleichzeitig zu sagen, Deutschland spare nicht genug, passt irgendwie nicht zusammen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)

Deswegen laden wir Sie ein, unseren Kurs des Fiskalpaktes und der Stabilisierungspolitik in Europa zu unterstützen. Diese Politik hat aber immer zur Voraussetzung, dass Schuldenbremsen so, wie wir sie in der deutschen Verfassung implementiert haben, für ganz Europa gelten müssen. Der Ausstieg aus dem Schuldenstaat muss für ganz Europa eine Selbstverständlichkeit werden

(Hubertus Heil (Peine) (SPD): Wir können ja ganz aus dem Staat aussteigen!)

und darf nicht von Ihnen durch Hintertüren immer wieder infrage gestellt werden, liebe Kolleginnen und Kollegen.

(Manfred Zöllmer (SPD): Schrumpfen mit der FDP!)

Zur Wachstumsfrage: Wir können mit einer Besteuerung der Realwirtschaft, sei es durch eine Finanzmarktbesteuerung oder durch höhere Ertragsteuern, keinen Beitrag für Wachstum in Europa leisten.

(Hubertus Heil (Peine) (SPD): Ach, Sie sind gegen die Finanztransaktionsteuer! Gut, dass Sie es noch einmal sagen!)

Deswegen haben wir gemeinsam gesagt ich bin auch sehr froh, dass die Sozialdemokraten sich auf diesen Kompromiss der Vernunft verständigen konnten :

(Lachen bei der SPD)

Wer Wachstum schaffen will, darf nicht die Realwirtschaft zusätzlich belasten. Bleikugeln am Bein der Wirtschaft und des Mittelstandes in Europa schwächen Europa und stärken Europa nicht.

(Hubertus Heil (Peine) (SPD): Was für ein Popanz, den Sie da aufbauen!)

Deswegen sagen wir gemeinsam: Wir wollen einen Weg zu einer solchen Steuer gehen. Wir wollen diesen Weg aber nicht zulasten von Wachstumschancen in Europa gehen, weil wir wissen, dass das uns alle schwächen würde. Deswegen stehen wir zu diesem Kompromiss.

Präsident Dr. Norbert Lammert: Herr Kollege.

Ich glaube, es ist ein Kompromiss der Vernunft. Er wird gemeinsam auszufüllen sein. Wir werden darüber auch noch im Konkreten zu diskutieren haben. Wir sollten uns aber nicht auseinanderdividieren lassen. Wachstum schafft man nicht durch Belastung der Wirtschaft, sondern Wachstum schafft man, indem man neue Kräfte der Freiheit in Europa mobilisiert.

(Joachim Poß (SPD): Versuchen Sie es jetzt doch einmal mit geistigem Wachstum!)

Dazu laden wir Sie ein; dafür stehen wir zur Verfügung und nichts anderes. Wir sollten dankbar sein, dass die Bundeskanzlerin mit Härte einen Konsolidierungskurs in Europa einfordert. Das muss der erste Schritt sein. Deswegen appelliere ich an Sie: Sagen Sie Ja zum Fiskalpakt. Sagen Sie Ja zum Europäischen Stabilitätsmechanismus. Wir haben es in der Hand, die gemeinsame Währung schon im nächsten Monat mit einem klaren Signal zu stabilisieren.

Präsident Dr. Norbert Lammert: Herr Kollege, jetzt müssen Sie wirklich zum Abschluss kommen.

Ich komme zum Ende, Herr Präsident. Wir sollten uns nicht auf die Ebene von politischem Klein-Klein begeben und damit die Märkte zusätzlich verunsichern. Die Lösung liegt auf dem Tisch. Greifen wir zu. Gemeinsam schaffen wir das.

(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)

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