Rede zu dem Gesetzentwurf der SPD zur Änderung des Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetzes, Drs. 17/3481, 11. November 2010
..Rede vor dem Deutschen Bundestag Herr Präsident!Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Herr Kollege Poß ist im Augenblick nicht mehr da; es ist schon toll, was er hier so abliefert. Da heißt es: Die Politik soll den Unternehmen endlich einmal Grenzen aufzeigen. Wenn aber ein Unternehmen in Deutschland im Wettbewerb Probleme hat,
(Ulla Lötzer (DIE LINKE): Hat es doch nicht!)
dann kommt die SPD wie ein Schoßhündchen an, wackelt mit dem Schwänzchen und bietet staatliche Hilfe an. Wenn es nach Ihnen gegangen wäre, hätten Sie General Motors Milliarden Euro deutscher Steuergelder gegeben.
(Rolf Hempelmann (SPD): Können Sie auch einmal zur Sache sprechen?)
Diese Bundesregierung hat das verhindert. Sie sollten sich einmal mit sich selbst beschäftigen.
(Hubertus Heil (Peine) (SPD): Was haben Sie denn für ein Weltbild?)
Die Vorschläge, die Sie heute machen, bedeuten doch nichts anderes, als wieder den Unternehmen hinterherzulaufen, die sich bei Ihnen beschweren, weil sie sich im Wettbewerb nicht zurechtfinden.
(Rolf Hempelmann (SPD): Lächerlich! Das ist doch so was von daneben!)
Es ist aber nicht Aufgabe der Politik, in den Wettbewerb einzugreifen.
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)
Was Sie uns heute vorlegen, ist ein Anliegen, das bereits in der letzten Woche im Bundesrat mehrheitlich abgelehnt worden ist. Die Länderkammer hat den SPD-Finanzministern recht gegeben, die in den elf Jahren ihrer Regierungszeit ein derart verschärftes Übernahmerecht für unnötig, wenn nicht sogar schädlich erachtet haben. Sie tun so, als hätten Sie mit dem gegenwärtigen Übernahmerecht überhaupt nichts zu tun. Es stammt aus dem Dezember 2001. Als manche Länder in Europa dieses Recht verschärft haben, haben Sie das abgelehnt. Die SPD hat eine Veränderung gemeinsam mit den Grünen und auch an der Seite der Union abgelehnt. Dennoch tun Sie heute so, als wäre das alles völlig falsch. Heute sagen Sie, es müsste endlich etwas passieren. Warum haben Sie denn nicht gehandelt, wenn Sie es für richtig gehalten haben?
(Beifall bei der FDP Petra Hinz (Essen) (SPD): Es hätte eine Harmonisierung auf europäischer Ebene stattfinden können!)
Entweder Sie haben das letzte Jahrzehnt in finanzwirtschaftlicher Hinsicht verpennt, oder Sie opfern Ihren Sachverstand einem billigen Populismus. Die Antwort auf diese Frage wird die anstehende Evaluation der Europäischen Kommission zur EU-Übernahmerichtlinie liefern. Die Ergebnisse werden uns 2011 vorliegen. Dann werden wir darüber ergebnisoffen diskutieren.
(Rolf Hempelmann (SPD): Das ist klar! Erst mal die Deutsche Bank abwarten!)
Das deutsche Übernahmerecht ist, jedenfalls bisher, ein ausgewogener Kompromiss zwischen den Interessen des Bieters, der Zielunternehmen und der Aktionäre. Es ist weder übernahmefreundlich noch übernahmefeindlich. Genau so muss es auch sein.
(Hubertus Heil (Peine) (SPD): Hat Ihnen das die Deutsche Bank aufgeschrieben? Dr. h. c. Hans Michelbach (CDU/CSU), an die SPD gewandt: Was hat Hochtief euch aufgeschrieben? Gegenruf des Abg. Joachim Poß (SPD): Hochtief braucht uns nichts aufzuschreiben!)
Im Falle des Wechsels besteht das Ziel in der Übernahme der Kontrolle über ein Unternehmen. Den anderen Aktionären wird einmalig die Möglichkeit des Ausstiegs gegeben. Damit wird den berechtigten Interessen der Anleger, auf Veränderungen bei der Unternehmenskontrolle wertschonend zu reagieren, Rechnung getragen. Minderheitsaktionäre sollen bei Hauptversammlungen nicht Opfer neuer Mehrheitsverhältnisse werden. Das ist ein wichtiges Anliegen. Ein derartiges Interesse besteht aber nicht, wenn ein Mehrheitsaktionär seine Beteiligung zum Beispiel von 46 auf 48 Prozent ausweitet. Die Umsetzung des Vorschlags der Sozialdemokraten würde dazu führen, dass Spekulationen auf immer höhere Übernahmepreise angeheizt werden. Der Gesetzgeber sollte eine solche Kasinomentalität nicht befördern. Wir jedenfalls machen das nicht mit.
(Joachim Poß (SPD): Die FDP verrät die Kleinaktionäre!)
Die Integrität der Finanz- und Kapitalmärkte ist eine wichtige Voraussetzung für eine stabile wirtschaftliche Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland, aber auch in Europa insgesamt. Deswegen muss marktschädigendes und manipulatives Verhalten umfassend gesetzlich sanktioniert werden. Das ist gegenwärtig der Fall. Der Begriff Marktmanipulation umfasst alle Handlungen, die einen Preis herbeiführen, der nicht einem unbeeinflussten Ausgleich von Angebot und Nachfrage entspringt. Manipulationen, die nachweislich auf den Börsen- oder Marktpreis eingewirkt haben, sind Straftaten. Sie werden nach dem Wertpapierhandelsgesetz mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe geahndet. Dieses Recht wird in der Bundesrepublik Deutschland konsequent umgesetzt. Besser kann der Schutz eines Anlegers vor derartigem Betrug wohl kaum sein. Was wir auch brauchen, ist mehr Transparenz, um verlorengegangenes Vertrauen in die Kapitalmärkte zurückzugewinnen. Die Koalition wird deshalb mit dem Anlegerschutzgesetz bestehende Regelungslücken schließen, die es Investoren bisher erlaubt haben, sich durch die Übernahme von Anteilen an Unternehmen anzuschleichen. Herr Kollege Poß, wir wollen einmal festhalten: Damit schließt diese christlich-liberale Koalition eine Regelungslücke, die Sozialdemokraten hinterlassen haben. Es sind Ihre Versäumnisse, die uns jetzt zum Handeln bringen.
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)
Sie waren jahrelang untätig. Die daraus folgenden Fehler werden jetzt berichtigt. Die seit Jahren bestehende Schutzlücke wird von dieser Koalition geschlossen. Die Offenheit für ausländische Investitionen in Deutschland ist eine Grundlage für ein erfolgreichen Engagement deutscher Unternehmen im Ausland. Mit rund 800 Milliarden Euro Direktinvestitionen profitiert die Bundesrepublik Deutschland von dem Vertrauen anderer Länder. Gerade vor dem Hintergrund internationaler Währungsinterventionen muss das Bekenntnis dieses Landes zu offenen Investitionsmärkten jetzt erneuert werden, und zwar auch, um das deutsche Engagement im Ausland abzusichern. Es sind immer unsere Handlungen, an denen die internationalen Partner unsere politischen Absichten messen.
(Beifall bei der FDP)
Angesichts dessen ist es in dieser schwierigen Situation gut für die Bundesrepublik Deutschland, dass nicht Sie, die Sozialdemokraten, mit Ihrem Populismus, den sie uns heute darbieten, Verantwortung tragen. Als Sie Regierungsverantwortung trugen, haben Sie nichts getan. In der Opposition betreiben Sie blanken Populismus. All das hilft diesem Land in dieser schwierigen Situation nicht.
(Rolf Hempelmann (SPD): Mein Gott! Petra Hinz (Essen) (SPD): Wer sahnt denn gerade ab?)
Man braucht eine besonnene Regierung wie die christlich-liberale, die, Herr Kollege Poß, Schritt für Schritt die Finanzmarktregulierung angeht, bei Verbriefungen verschärfte Regelungen in Deutschland umsetzt die Sozialdemokraten haben sie nicht umgesetzt , die in Deutschland eine Bankenabgabe eingeführt hat, wozu die Sozialdemokraten nicht die Kraft hatten.
(Lachen bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN Rolf Hempelmann (SPD): Man sollte zumindest ein bisschen bei der Wahrheit bleiben! Wenigstens in der Nähe!)
Sie hätten es ja machen können, haben es aber nicht getan. Sie fordern Regulierung. Wenn wir regulieren, sagen Sie zu allem Nein. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Es sind immer die gleichen Muster, mit denen Sie hier antreten. Sie fordern, dass wir Regelungslücken schließen, die Sie hinterlassen haben. Wir tun das, und Sie sagen dann: Nein, es geht nicht weit genug. Das ist ein billiges Spiel und ganz bestimmt keine seriöse Finanzpolitik. Sie mögen mit Ihrem Populismus von den eigenen Fehlern der Vergangenheit ablenken. Wir arbeiten Ihre Versäumnisse konsequent Schritt für Schritt auf und haben dabei das Interesse unseres Landes fest im Blick. Wir wollen ein offenes Land bleiben, das für Investoren attraktiv ist. Wir wollen ein verlässlicher Partner im Bereich der Finanzpolitik werden. Wir werden nicht, wie Sie es gefordert haben, amerikanischen Konzernen deutsche Steuermilliarden hinterherwerfen.
(Ulla Lötzer (DIE LINKE): Was hat das mit dem Antrag zu tun?)
Wir haben einen Bundeswirtschaftsminister, der klar gesagt hat, was geht und was nicht geht. Härte muss auch einmal sein; aber Populismus, so wie Sie ihn betreiben, ist unverantwortlich.
Vielen Dank.


